» Ostseezeitung vom 29.07.2002
Doberan hat, was Amerika fehlt
Musiker Frank Zappa erhielt am Wochenende Denkmal
Bad Doberan
1990 fand diese Veranstaltung erstmals unter Leitung des Unternehmers Wolfhard Kutz statt. Mittlerweile handelt es sich um ein mehrtägiges Großereignis mit Bühne und einer Zeltstadt auf dem Gelände der Galopprennbahn. Wo sonst betuchte Damen exaltierte Kopfbedeckungen zur Schau tragen, dominierten nun Bärte das Erscheinungsbild. Hoch im Kurs stand der üppige Schnauzer samt prägnantem Haarbüschel unterhalb der Unterlippe, denn so war Frank Zappa selbst lange Jahre aufgetreten. Mindestens genauso populär war aber auch der klassische Vollbart. Wer über beides nicht verfügte, präsentierte zum Pferdeschwanz wenigstens einen respektablen Bartschatten. Längst wird die Veranstaltung als touristische Attraktion gefeiert, Kutz leitet zudem den Zappa-Fanclub mit 180 Mitgliedern rund um den Globus. „Wer hätte das gedacht?“, sagt da selbst Bürgermeister Hartmut Polzin.
Höhepunkt der „Zappanale“ war in diesem Jahr zweifellos die Einweihung des Frank-Zappa-Denkmals am Sonnabend in der Alexandrinenstraße, während der jene älteren Herren, allesamt Zappa-Musiker der ersten Stunde, ihrem Freund ein Ständchen sangen. „Ein Traum geht in Erfüllung“, rief Kutz der jubelnden Fangemeinde entgegen, und der heitere Nonkonformismus der Anwesenden nahm der Polit-Prominenz jeglichen Wind aus den Segeln. Da geriet Polzins Rede zum komödiantischen Akt, weil die Übersetzung ins Englische dem Text ganz neue Nuancen verlieh. Da hatte der resolute Eckhardt Rehberg mit einer Wand aus Buh-Rufen zu kämpfen. „Vielleicht legt sich der Unmut etwas“, rief Rehberg tapfer, „wenn Sie erfahren, dass Wolfhard Kutz und ich uns schon lange kennen.“ Immerhin habe er geholfen, wichtige Kontakte zu Sponsoren zu knüpfen. Was der CDU-Mann nicht erzählte: In den frühen 70er-Jahren beschallte Rehberg höchst persönlich als Diskjockey die Tanzböden von Ribnitz mit Zappas Musik.
„Ihr habt getan, was Amerika nicht geschafft hat“, rief der Journalist Bill Harris und bekam tosenden Beifall für seine Version des berühmten Satzes von John F. Kennedy: „Ich bin ein Doberaner!“ „Überwältigt“ waren auch die Geschwister Frank Zappas, Bruder Bob und Schwester Candy, die eigentlich Patrice heißt. Bob strich der Büste zärtlich über die Nase. Glück solle das bringen, sagte er, und die Tauben verscheuchen. Candy hätte sich niemals träumen lassen, sie würde Tausende Kilometer reisen, um dann ein Bild ihres Bruders bei der Verrichtung seines Geschäfts an jede Hauswand geklebt zu sehen, sagte sie in Anspielung auf das diesjährige Plakat der „Zappanale“, das den Musiker auf der Toilette zeigt. Sie sagte dies aber nachsichtig lächelnd, denn ihr großer Bruder hätte die Idee bestimmt gemocht. „Frank war mein Held.“
Später am Abend war sie dann selbst die Heldin. Ausgestattet mit einer Stimme, die für Rock ebenso taugt wie für Gospel, begeisterte sie zusammen mit der Ed-Palermo-Band gut 2000 Menschen. Den Reiz der Konzerte machte aus, dass sich zu den eingeladenen Bands immer wieder die Mitstreiter Zappas gesellten, um mehr oder minder spontan mit den anderen zu musizieren. So sprangen denn Thana Harris und Jimmy Carl Black zu Ed Palermo auf die Bühne, die „Lewinskys“ donnerten Zappa-Klassiker zusammen mit Stacy und Scott Thunes, Ike Willis und Mike Keneally. „Unsere Erwartungen sind übertroffen worden“, sagte Jim Cohen, Mitorganisator und Zappa-Kenner. Er habe gar nicht gewusst, wie intim der Kreis der Zappa-Musiker wirklich sei. „Die müssen sich alle sehr gut kennen, um so gut miteinander spielen zu können.“ Wer hätte das gedacht?
MATTHIAS SCHÜMANN

Frank-Zappa-Denkmal in Bad Doberan. Es wurde Samstag eingeweiht.
Foto: Thomas Haentzschel/nordlicht









